Königshausen u. Neumann Das physikalische Prinzip

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Das Buch versteht sich als Beitrag zur Naturphilosophie, indem es den erkenntnistheoretischen Status der Physik untersucht. Diese – wie man meinen könnte – disziplinverengende Vorgehensweise wird gewählt, weil es ein Irrtum ist zu meinen, man wisse über die epistemologische Verfasstheit der Physik bzw. der Naturwissenschaft überhaupt bereits Bescheid, eine unzutreffende Bestimmung dieses Status jedoch einen falschen Begriff von Naturphilosophie impliziert. So übersieht die nicht unübliche Überzeugung, dass eine ausgeprägte Naturwissenschaft die Naturphilosophie überflüssig mache, den Sachverhalt, dass sich Naturwissenschaft und Naturphilosophie in ihrem epistemologischen Status grundsätzlich unterscheiden und die Philosophie – will sie nicht zum Mechanizismus werden – ihre Aufgabe darin hat, die naturwissenschaftlichen Aussagen kategorial auf den Begriff zu bringen, indem sie die Objekt-Fassung der Naturwissenschaft aufhebt und so begründet, warum die Einzelwissenschaft im Unterschied zur Philosophie diese für sie typische Welt-Form braucht. – Dabei wird unterstellt, dass das auf diese Weise über die Physik Erkundete auch etwas über die Naturwissenschaft überhaupt aussagt – ohne damit alles auf Physik reduzieren zu wollen. Ausgehend davon, dass der Gegenstand der Physik die Bewegung ist, nicht bewegte Dinge mit ihren Eigenschaften, sondern die Bewegung als Bewegung, werden die Objekte der Physik als Grössen charakterisiert. Diese Grössen sind „Gedankendinge“ bzw. cum grano salis Verstandesgegenstände – deutlich unterschieden von den konkreten Naturgegenständen. Sie sind keine Konkreta, aber auch nichts rein Ideelles oder nur rational Erdachtes. In einer Grösse wird ein Verhalten aus der Mannigfaltigkeit des Wirklichen substantiviert – ein Verhalten und ein Verhalten, nicht eine Eigenschaft. Es wird gezeigt, dass die Bildung solcher Messgrössen durch die analytische Geometrie ermöglicht wurde, indem diese – mit Cassirer gesprochen – dem Raum die Logik der Zahlen und (so muss man hinzufügen) den Zahlen die Logik des Raumes aufprägte. Der auf dieser Grundlage ausgebildete Infinitesimalkalkül gestattete es dann, ausser den extensiven Grössen auch intensive zu bilden, die zu einer qualitativen Bewegungserfassung unbedingt erforderlich sind. Die Objekte der Physik sind also Messgrössen in ihren Beziehungen. Erkenntnistheoretisch gesehen sind diese Erkenntnisobjekte jedoch Erkenntnismittel. Die Grössen haben mithin einen Doppelcharakter, was bei der philosophischen Rezeption physikalischer Aussagen beachtet werden muss, soll es nicht zu mechanizistischen Ausdeutungen kommen. Die hier skizzierte epistemologische Verfasstheit der Physik erfordert es, die Welt unter der Form des Objekts zu fassen, wodurch sich die Physik grundlegend von der Philosophie unterscheidet und der Übergang von einem zum anderen unvermittelt nicht möglich ist. Um von der Naturwissenschaft zur Naturphilosophie zu gelangen, muss die Fassung der Welt unter der Form des Objekts zur... ...
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